Ultraschall-Tag :: U-Day

Ein Ultraschall-Tag

Aus einem UltraschallContest, wer macht die schönste, beste oder schrägste Ultraschallaufnahme in der Klinik, wurde ein Ultraschall-Tag, wurde ein strukturiertes Qualitätsformat: der U-Day. Hier ist die Geschichte zu ein möglichen QualitätsFramework, die erklärt, warum auch du dich am U-Day  beteiligen solltest.

Inhaltsverzeichnis

Podcast zum ersten U-Day

Vorgeschichte

Eine typische Situation am Vorabend eines Klinikalltages: Ich schaute mir die Personalverteilung in den Operationsbereichen und auf den Intensivstationen an:

OP voll. Intensiv belegt. Die übliche Frage im Kopf: „Wie stehen morgen die Personal-Götter zu uns?“ Ich rechnete damit, wieder eine Schippe drauflegen zu müssen. Mehr Fälle. Mehr Tempo. Weniger Luft.

Dann kam mein Kollege ins Zimmer. Noch bevor er „Hallo“ sagen konnte, fragte ich: „Hast du die OP-Verteilung gesehen?“  Drei ultraschallaffine Oberärzte. Keiner im eigenen Saal. Mehr Zeit für Organisation und Ausbildung. Ein Chance, die man nicht ignorieren sollte.

Ich sagte halb im Scherz: „Wir sollten morgen die Maschinen glühen lassen.“ Pause. „Vielleicht machen wir einen Ultraschall-Contest.“ Er grinste.

Und irgendwo zwischen Müdigkeit und Übermut wurde aus einem Witz eine Idee. Was als scherzhafte Contest-Idee begann wurde über Nacht größer. 

Die Nacht hat etwas größeres daraus gemacht

Am nächsten Morgen war klar: Das wird kein Contest. Das wird ein Tag mit Format. Ein Tag, an dem wir sichtbar machen, wie wir sonografisch tun. Ich schrieb in den Klinikverteiler:

Guten Morgen, heute ist in der Klinik für Anästhesie der Tag des Ultraschalls. Dieser Tag wurde spontan ins Leben gerufen und kann ad lib. wiederholt und ausgebaut werden. Das Ziel des Ultraschalltages ist es, einen sonografischen Tages-Snapshot zu erstellen: Wer sonografiert welches Organ, warum, wie, wann und für welche Intervention wird Ultraschall verwendet? Medienmacher werden eure Aufnahmen aufbereiten und in angenehmem Ambiente präsentieren. Die Challenge für heute: Es wird die beste, schönste, originellste oder schrägste Aufnahme gesucht. Alle Mitarbeitenden der Klinik treten gegen die Dres. Rembecki, Kuberra und Mäcken an. Während der Mittagspausenablösung werden die Aufnahmen eingesammelt (anonymisierter Export!). Einsendeschluss ist um 15:39 Uhr. 😉 Liebe Grüsse

Beispiele vom U-Day

Zum Start des U-Day geht es primär um das Format und die Bekanntmachung, weshalb ich hier nicht alle im Podcast genannten Fallbeispiele im Blog aufführen werde.

Der U-Day-Kern und das Format werden aber an wenigen Beispielen verdeutlicht. In den nächsten Monaten könnte das Medizinische in den Vordergrund rücken.

Team Allgemeiner Operationsbereich

Das Team im Allgemeinen Operationsbereich kämpfte teilweise mit rudimentären Aufgaben: „Äh, wie speichere ich nochmal?“. Ausnahmen wahren die Dres. Rembecki und Kuberra, die du vielleicht aus den Podcasts kennst. Hier wurde der Ultraschall für Intervention und Diagnostik benutzt. 

Beispiel: Bei einer Patientin mit einer vorbestimmten EF von 15% wurde die Narkoseinduktion mit Suprarenin gestartet. Die ultraschallgestützte Blockade peripherer Nerven des Plexus lumbalis für die operative Versorgung passte in das Narkosekonzept durch eine Kombinationsnarkose mit Larynxmaske, Regionalanästhesie und Spontanatmung. Die echokardiografische Untersuchung bestätigte die stark eingeschränkte Herzfunktion, die Patientin wurde postoperativ nach Versorgung der Schenkelhalsfraktur auf die Normalstation verlegt. 

Weiteres Bespiel: Wegen eines trifaszikulären Blocks wurde für eine Schrittmacherschleuse ultraschallgestützt platziert, die Herzfunktion perioperativ echokardiografisch erfasst. Die beiden Beispiele zeigen, wie Ultraschall zur Intervention und Diagnostik für die Narkoseführung verwendet werden können.

Es gab aber auch Darstellungsprobleme: hier hat eine Kollegin den sonografischen Endgegner gefunden (Video und Podcastausschnitt folgend). 

Ein Kollege hat den U-Day ganz anders genutzt: er hat eine Aufnahme der Plexus brachialis-Blockade auf axillärer Ebene nach Bildoptimierung zur anschließenden Diskussion angefertigt. Wie, fragte er sich, kann ich hier die Kanüle am besten zwischen den Venen zu peripheren Nerven führen? Die Prozedur wurde wegen der benötigten vollen Konzentration für die ultraschallgestützte Intervention leider nicht aufgezeichnet. Doch er hat selbstständig gehandelt und den U-Day für anschließende Fragen genutzt. Ein Anwärter für das U-Day-Sternchen.

Team Herz-OP

Das Team der Herzchirurgie hat gefühlt schon immer alles gespeichert und war in dieser Hinsicht dem Team Allgemeiner-OP-Bereich zumindest einen Schritt voraus. Das Video mit Podcastausschnitt zeigt das Ergebnis vom U-Day und deren Versuch, das „Sternchen“ zu erhalten. 

Team Intensivstation

Das Team ITS hat regelmäßig die Aufgabe, schwerkranke Patient:innen über Tage zu betreuen, wobei die Volumentherapie eine zentrale Fragestellung ist. Hier wurde Ultraschall zur Messung der Dopplerprofile mehrerer Venen verwendet, um zwischen Flüssigkeitsentzug und Volumengabe entscheiden zu können (VExUS: Venous Excess Ultrasound; Literaturreferenz am Ende). Es handelt sich um eine Prozedur, die Wissen über die Abdomen-Sonografie und die Dopplertechnik sowie vor allem die Fähigkeit zur kritischen Beurteilung der Gesamtbefunde erfordert.

Wer hat am Tag des Ultraschalls die Challenge gewonnen?

Den Kern des U-Day hat jedoch eine andere Person mit einer wesentlich häufiger durchgeführten Prozedur besser getroffen: Es war eine Kollegin aus dem Team Intensivstation mit einer Punktion der V. jugularis interna und das korrekte Vorgehen nach Platzierung des Führungsdrahtes.

Begründung zur Preisvergabe

Bei einer Patientin mit Nierenversagen und Influenza-Infektion wurden zwei Führungsdrähte platziert. Einen für einen zentralen Venenkatheter (ZVK) und den anderen für die passagere Dialyse. Nach der Punktion der Vena jugularis interna konnten beide Drähte intravenös dargestellt werden, jedoch verlief nur einer korrekt in die V. brachiocephalica. Der andere verlief falsch in die Vena subclavia.

Die Kollegin hat die Sonographie also sowohl für die Intervention als auch zur Kontrolle der Prozedur verwendet und der Schritt vor der Dilatation, den korrekten intravenösen Verlauf zu bestätigen, war absolut korrekt. Der Dilatator verursacht die größeren Probleme, er hätte in diesem Fall, insbesondere bei kräftigem Vorschub, womöglich die Gefäße im Bereich des Angulus venosus, verletzen können.

Die Abbildungen wurden anhand der folgenden sechs Faktoren mit dem U-Day-Stern prämiert: Die Kriterien zur Auswahl einer Prozedur sind (1.) die Häufigkeit der Durchführung, (2.) die hohe klinische Relevanz, (3.) die Möglichkeiten zur Verbesserung, (4.) die Wissenslücken unter Anästhesist:innen, (5.) die Aufnahme erfolgte mit Intention der Weitergabe und folgt (6.) einem innerklinischen Vorgehen bei ZVK-Anlagen.

War die Aufnahme optimal?

 Nein! Was hätte man besser machen können?

  • Mehr Tiefe hätte die Pleura besser dargestellt.
  • Dadurch wäre auch der Verlauf der V. brachiocephalica besser abgebildet: Dort muss der Führungsdraht hindurch!
  • Ein Gleiten nach Lateral hätte die Vena Subclavia und den Führungsdraht besser dargestellt. Die Fehllage wäre noch einfacher zu erkennen gewesen.
  • Durch eine lateralere Einstellung wäre die Sonoanatomie mit A. subclavia und womöglich des Plexus brachialis zur Veranschaulichung der umgebenen Anatomie geeigneter gewesen.

Ist die Aufnahmequalität dennoch ausreichend für die klinische Arbeit? Definitv ja!

Der für mich ausschlaggebende Punkt zur Auszeichnung des U-Days ist aber, noch ein anderer: die Kollegin hat die Aufnahme für eine Wissensweitergabe von möglichen Fehllagen angefertigt und an andere gedacht.

  • Die Kollegin profiertiert vermutlich am meisten durch die Besprechung.
  • auch andere aber haben die Chance, die Relevanz der Lagekontrolle des Führungsdrahtes vor der Dilatation, zu erkennen
  • Alle werden feststellen, dass das Sonogramm durchaus zu verbessern ist und können sich die Optimierungsoptionen merken.

Und das ist der Kern des Ultraschalltages, die Qualität sonografischer Aufnahmen durch eigene Reflexion zu verbessern.

Beispiele zur Diskussion der U-Day Aufnahme

  • Die Aufnahme mit den beiden Seldinger-Drähten könnte Anlass sein, dich mit anderen über die Sonoanatomie auszutauschen (nächste Abbildung).
  • Du könntest ein Anatomiebuch aufschlagen, wenn du Probleme beim Transfer von Anatomie zur Sonoanatomie hast (übernächste Abbbildung).
  • Das Sonogramm mit den Führungsdrähten könnte der Startpunkt einer konstruktiven Diskussion über Behandlungspfade bei ZVK-Anlagen sein (überübernächste Abbildung). 
  • Es könnte ganz einfach Anlass sein, nach aktueller Literatur über die Häufigkeit von Fehllagen und der Lagekontrolle von ZVKs zu suchen.

Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten sich zumindest an einem Tag im Monat mit Ultraschall, der Sonoanatomie und dem klinischen Einsatz zu beschäftigen. Ich bin sicher, du findest noch einige mehr.

Der U-Day ist, was du daraus machst! Nichts zu tun in keine Option 😉

U-Day als Qualitätsformat

Ziel des U-Days

Der U-Day soll:

  • Ultraschallanwendungen sichtbar machen
  • Bild- und Dokumentationsqualität verbessern
  • Klinische Entscheidungswege darstellen
  • Sonografische Urteilskraft schärfen

Ziel ist nicht die Kür des schönsten Bildes, sondern die systematische Reflexion, was zum guten Sonogramm geführt hat. 

Stimmt die Technik, ein gutes Sonogramm logisch zu entwickeln mit der klinischen Aufgabe oder Anforderung überein, hast du die höchste Stufe der Sonografie erlangt. Lass die Aufnahme kein Zufallsprodukt sein, sondern bestimme selbst die Qualität.

Merke: Gute Sonografie ist kein Zufall. Sie ist reproduzierbare Technik.
Foto des Logos der Podcast-Software Ultraschall. Klar, dass das auch Radiomegahertz liebt.
Tim Mäcken
Radiomegahertz

Systematisch Bildeinstellung und -optimierung trainieren

Regelmäßiges Dokumentations-Training führt zu:

  • bewusster Bildoptimierung
  • besserer anatomischer Einordnung
  • technischer Reflexion
  • Vermeidung diagnostischer Fehlinterpretationen
  • Erweiterung des sonoanatomischen Wissens

Hier geht es zum Blogpost „Bildeinstellung und Bildoptimierung”, wo die Schritte weiter erläutert werden. Dort findest du auch Erklärungen zur virtuell konvexen Ansicht, mit der sich der Ausschnitt vergrößern lässt (folgende Abbildung). Die übernächste Abbildung über die Verschmälerung des Bildausschnitts ist dem Blogbeitrag „Transthorakale Echokardiografie – Allgemeines” entnommen.

Jetzt wird es überregional

Der U-Day kann mehr als ein innerklinisches Experiment sein, wenn du wie ich umfassender denkst. Er ist nach der Veröffentlichung auf Radiomegahertz jetzt auch eine Einladung.

Starte den Ultraschall-Tag in der Klinik, insbesondere dann, wenn du merkst, dass nicht systematisch an guten Sonogrammen gearbeitet wird.

  • Du benötigst keinen Contest, wie ich ihn als Motivation initiiert habe.
  • Du brauchst keinen Sponsor: die Anwender und Maschinen sind schon da.
  • Budget? Nicht erforderlich, maximal vielleicht für einen USB-Stick.
  • Nur wenige Minuten volle Konzentration während der Sonografie, um die Aufnahme zu meistern.
  • Aber zwingend erforderlich ist die Bereitschaft, dich ehrlich zu reflektieren.
  • Beginne regional an deinem Arbeitsplatz und schließe dich anschließend anderen an. 

Dein persönlicher U-Day

Wenn du mitmachen möchtest, schreibt an <echo@radiomegahertz.de>. 

Ein Podcast-Host über Ultraschall in der Anästhesie hält ein Schild mit der Aufschrift U-Day in die Kamera. Tag des Ultraschalls oder kürzer Ultraschall-Tag. Radiomegahertz
www.radiomegahertz.de/kontakt

Feedback zum U-Day

Was denkst du über den U-Day? Ist das etwas für dich? Machst du mit? Schreibe mir an echo@radiomegahertz.de.

Referenzen und Links

Cookie Consent mit Real Cookie Banner