Transthorakale Echokardiografie – Allgemeines

Allgemeines zur transthorakalen Echokardiografie (TTE)

In diesem Beitrag findest du allgemeine Informationen zur transthorakalen Echokardiografie, die für alle im Poster vorgestellten Positionen gelten. Um die separaten Beiträge zu den Positionen (1) parasternal, (2) apikal und (3) subxiphoidal schlanker zu halten, wurden die allgemeinen Informationen ausgelagert. Zu den Allgemeinen Informationen zählen die Lagerung, die Herzachsen, die Anlotungspunkte, die Sondenmanöver und technische Einstellungen und Besonderheiten für die Echokardiografie

Inhaltsverzeichnis

Anlotungspunkte und Schnittebenen

In der transthorakalen Echokardiografie werden fünf klassische Positionen für die Anlotung des Sektorschallkopfes verwendet. Für den Start unserer Ausbildung in der TTE beschränken wir uns auf drei Positionen: parasternal, apikal und subxiphoidal, auch subkostal genannt, welche in der Abbildung magentafarben markiert sind.  

In jeder Anlotungsposition werden durch Sondenmanöver unterschiedliche Schnitte des Herzens erzielt. Ein Beispiel ist die parasternal kurze Achse: Sie wird durch eine Rotation von 90° im Uhrzeigersinn aus der langen Achse entwickelt. 
Die Entwicklung unterschiedlicher Schnitte setzt voraus, dass Durchführende sich räumlich orientieren können, die dafür benötigten Sondenmanöver bewusst und präzise durchführen und, das ist wichtig, der Schnitte standardisiert in höchster Qualität dargestellt werden.

„Bewusst” bedeutet, dass du die Sondenmanöver benennen kannst, die Lagerung aufgrund der physiologischen Effekte optimieren kannst, dein Ultraschallsystem wie die Tasten eines Telefons bedienen kannst und auch die physikalischen Grenzen erkennst, bei deren Erreichen du auf eine andere Technik, wie beispielsweise die transösophageale Echokardiografie, ausweichen musst.

Vorab eine Kernaussage der Staffel „Echokardiografie“:

  • Erkenne Schrägschnitte und vermeide diese wenn immer möglich! Ohne korrekten Schnitt, keine valide Messung und konsekutiv mögliche klinische Fehlentscheidungen.

Wir sind der Meinung, dass es langfristig sinnvoller und effektiver ist, sich beim Einstieg in die transthorakale Echokardiografie auf wenige, aber hochwertige, standardisierte Schnitte zu konzentrieren, statt beispielsweise die Ejektionsfraktion möglichst schnell bestimmen zu können.

Für eine vollständige, standardisierte echokardiografische Untersuchung sind jahrelanges Training und eine hohe klinische Expertise erforderlich. Doch auch diese basiert auf hochwertigen Schnitten und dem Verständnis für die Grundlagen.

Die Staffel „Echokardiografie” auf Radiomegahertz konzentriert sich auf die Vermittlung dieser Grundlagen.

Darstellungsebenen

Die Ebenen werden nach dem Schnitt und / oder dem Anlotungspunkt benannt. Das Herz kann „quer” oder „längs” geschnitten werden. Somit gibt es z. B. eine parasternale bzw. subxiphoide kurze und lange Achse. Apikal bleibt jedoch immer apikal, also immer längs, allerdings mit verschiedenen Schnitten.

  • parasternal lange Achse: 
  • parasternal kurz Achse:

Apikale Position

In der apikalen Position werden durch Rotation der Sonde unterschiedliche Schnitte erzeugt. Der Anlotungspunkt ist beispielsweise für die Planimetrie des linken Herzens und die Berechnung der Ejektionsfraktion nach Simpson relevant. Im Ausbildungsposter wird auf zwei Schnitte fokussiert: der apikale 3-Kammer-Blick, weil er sich aus der parasternalen langen Achse entwickelt und den 4-Kammer-Blick, um das rechte Herz sowie die Mitral- und Aortenklappen untersuchen zu können. 

  • apikaler 2-Kammer-Blick:
  • apikaler 3-Kammer-Blick:
  • apikaler 4-Kammer-Blick:
  • apikaler 5-Kammer-Blick:

Subxiphoidale Position

  • subxiphoidaler 4-Kammer-Blick:
  • subxiphoidale kurze Achse:
  • V. cava inferior-Schnitt:

Lagerung

Ideale Patientenlagerung für die transthorakale Echokardiografie

Die Untersuchung sollte sofern möglich in Linksseitenlage beginnen. Dabei liegt der Patient in einem Winkel von etwa 30 bis 45 Grad, sodass sich das Herz durch die Schwerkraft nach vorne und links verlagert. Dadurch rückt es näher an die Brustwand heran und gelangt in eine schallgünstige Position. Gleichzeitig wird ein Teil der Lunge verdrängt, wodurch sich Artefakte reduzieren oder überhaupt erst ein Schallfenster eröffnet.

Der linke Arm wird über oder auf dem Kopf abgelegt, um den Interkostalraum zu erweitern und die parasternalen sowie apikalen Schallfenster besser zugänglich zu machen. Der rechte Arm liegt entspannt vor dem Körper. Der Kopf kann leicht nach links gedreht werden, um eine bequeme Haltung zu unterstützen.

Während der Untersuchung sollte der Patient ruhig und gleichmäßig atmen. In bestimmten Situationen kann es hilfreich sein, den Patienten kurz den Atem anhalten oder tief einatmen zu lassen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Position des Herzens atmungsabhängig ändert, während das Schallfenster, der Interkostalraum, statisch ist. Für die apikalen Anlotungen ist die Linksseitenlage regelmäßig der einzige Weg, um das Herz in der gewünschten Qualität sonografisch abzubilden.

Linksseiten- oder Rückenlage

Zeitdruck und Untersuchungssituation bestimmen mit, ob eine transthorakale Echokardiografie in Rücken- oder Seitenlage durchgeführt wird. Bei der Echokardiografie in Akutsituationen, beispielsweise im Schockraum, im präklinischen Bereich des Rettungswesens oder während der Narkose, muss die TTE dagegen häufig in Rückenlage durchgeführt werden. Wenn die apikalen Schnitte für die Diagnostik unerlässlich sind, kann das bedeuten, dass auch beatmete Patient*innen in die Seitenlage gebracht werden müssen.

Im Gegensatz zur vollständig standardisierten TTE in Linksseitenlage ist für viele Anästhesist*innen und Notfallmediziner*innen die Rückenlage die Standardsituation. Die Rückenlage ist für die subxiphoidale (subkostale) Echokardiografie Voraussetzung. Aufgrund des Arbeitsfeldes von Anästhesist:innen ist sie aber auch in Nicht-Notfallsituationen im Operationsbereich nahezu ein Standard. Untersuchungen vor Umlagerung auf den OP-Tisch können hingegen leicht in Seitenlage bettseitig in Linksseitenlage durchgeführt werden. 

So kann die parasternal lange Achse beispielsweise in Rückenlage ausreichende Schallbedingungen bieten. In Linksseitenlage verbessert sich die Abbildungsqualität noch einmal deutlich.

Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Habitus wie Größe, Gewicht, individuelle Herzachse (z. B. Steiltyp) oder auch der abdominelle Druck erzwingen stets ein Aufsuchen des individuellen Schallfensters. Alleine das Geschlecht bzw. die weibliche Brust kann bewirken, dass die Entwicklung des apikalen 3-Kammer-Blicks aus der parasternal langen Achse nicht möglich ist. 

Zusammengefasst ist die Linksseitenlage die bevorzugte Position für die parasternale und apikale Anlotung. Modifiziere die Lagerung bei unzureichender Abbildung und beachte, dass nicht in jeder Position ein gutes Bild zu erzielen ist.

Alternative Lagerungen

Gelegentlich wird eine Rechtsseitenlage für den rechtsparasternalen Schnitt verwendet, worauf zu Beginn der Ausbildung aber verzichtet wird. 

Technische Anforderungen

Die (Mindest-)Anforderungen an die transthorakale Echokardiografie sind in verschiedenen kardiologischen Publikationen beschrieben. Diese betreffen das Ultraschallsystem und die Hygiene (siehe unten). Selbstredend ist eine Schallsonde mit kleinem Footprint (kleiner Apertur) für ein Schallfenster im Zwischenrippenraum und niedriger Frequenz erforderlich, um eine ausreichende Eindringtiefe zu gewährleisten.

Sektor-Schallkopf

Die Abbildung zeigt eine typische Sektorsonde mit den für die transthorakale Echokardiografie wichtigen haptischen Markierungen. Außerdem ist erkennbar, dass die Schallkopffläche, der Footprint, nicht quadratisch, sondern rechteckig ist. Es sind eine lange und eine kurze Kante vorhanden (siehe auch weiter unten „Sondenmanöver”).

Die Aufnahmen auf RMHz wurden mit mittel- bis hochpreisigen Systemen generiert. Verfahren wie der anatomische M-Mode, der Gewebedoppler oder die Strain-Messung sind daher möglich. Harmonic Imaging, eine essentielle Technik in der TTE, ist hingegen vermutlich auf jedem Herzecho-System verfügbar.

In der Echokardiografie sind hohe Bildwiederholraten (Framerate) extrem wichtig. So können schnelle Klappenbewegungen oder Muskelkontraktionen beurteilt werden. So gilt beispielsweise für den Gewebedoppler eine Mindestanforderung von 90 Bildern pro Sekunde. Der Gewebedoppler oder auch die Strain-Sonografie sind i. d. R. kostenpflichtige Lizenzen, die darüber hinaus nicht auf jedem System installiert werden können.

Gerätehersteller liefern ihre Systeme innerhalb bestimmter Serien häufig mit nahezu identischen Platinen aus, Features werden per Lizenz freigeschaltet. Aus Verkäufer- Produktions- und Marketingsicht ist das verständlich, für den Anwender nicht unbedingt, denn die Hardware ist ja schon vorhanden. 

Sektorförmiges Bild: Technische Umsetzung

Typischerweise werden 64-128 Piezoelemente parallel auf engem Raum angeordnet (1-2 cm). Der sektorförmige Bildschirmausschnitt wird durch die zeitlich versetzte elektrische Ansteuerung der einzelnen Schallelemente erzeugt. Aufgrund der Phasenverschiebung wird die TTE-Sonde auch phased array bezeichnet. Sonden mit mechanischer Auslenkungen der Ultraschallwellen entstammen aus der „Vorzeit“. Somit ist die TTE-Sonde nichts anderes als eine verkürzte (abgeschnittene) Linearsonde. Verstehst du technische Prinzip der Auslenkung von Ultraschallwellen, kannst du damit mehrere Technologien erklären:

  • die Entstehung des sektorförmigen Bildausschnittes;
  • die virtuell konvexe oder auch trapezoide betitelte Ansicht mit einer Linearsonde;
  • die elektronische Fokussierung zur Verbesserung der lateralen Auflösung und
  • die Technologie Compound Imaging.   

Bei einer Matrix-TTE-Sonde sind mehrerer Reihen von Piezoelementen zu einer Fläche angeordnet, wodurch mehrere Schnittebenen gleichzeitig dargestellt werden können (3D). Zusammen mit der Dimension Zeit spricht man von 4D-Echokardiografie. 

Sondenmanöver

Analog zu den ultraschallgestützten Interventionen für Gefäßzugänge oder Regionalanästhesien hilft die Nomenklatur für Sondenmanöver, die Schallebene bewusst und definiert auf das Ziel zu positionieren. Hilfreich ist es, zunächst immer nur EIN Manöver durchzuführen. War das nicht zuführend, kann es leichter rückgängig gemacht werden.

Unbewusstes (ungewolltes) „Rumrühren“ mit der Sonde, bei dem es zu kurzzeitigen Zufallstreffern kommt, ist das Gegenteil dessen, was gelehrt und erlernt werden soll.

DE
EN
Beschreibung

Verschieben / Gleiten

Translation (Sliding)

Bewegung der Sonde auf der Haut ohne Änderung der Orientierung.

Kippen

Tilting (Fanning)

Neigung um Querachse (quer zur Schallebene).  

Wippen

Rocking (Pivoting)

Bewegung um fixierten Punkt; Strukturen im Zentrum halten.

Drehen / Rotieren

Rotation

Drehung der Sonde um Längsachse zur Ebenenänderung.

Drücken

Pressure

Anlotungsdruck der Sonde kann variiert werden.

Anwinkeln (Engl.: Angulation) ist eine Kombination aus Kippen und Rotieren und wurde daher nicht in die Tabelle aufgenommen.

Abgrenzung: Kippen versus Wippen

Merke

  • Kippen kann sich auf  die lange oder kurze Kante der Ultraschallsonde beziehen. 
  • Wippen bezieht sich immer auf die kurze Kante der Schallsonde. 

Somit beschreiben „Kippen über die kurze Kante des Sektor-Schallkopfes” und „Wippen” das gleiche ein Manöver mit dem gleichen Ziel: Strukturen können je nach Anforderung links, mittig oder rechts im Sektor positioniert werden.

Parameter
Kippen (Tilting)
Wippen (Rocking)

Schallebene

Lange Kante: quer zur Schallebene

Kurze Kante: in der Schallebene. 

Ziel

Durchfahren (Fächern) des Ziels quer zur Schallebene

Zentrieren oder Justieren eines Zieles in der Schallebene.

Anwendungsbeispiel

Parasternal kurze Achse (PLAX): von Mitralklappe (Basis) bis Herzspitze (Apex). 

Parasternal lange Achse (PLAX): Mitralklappe in den Mittelpunkt einstellen (ggf. zusätzlich Gleiten erforderlich).

Weitere Bezeichnungen für Sondenmanöver

  • Neigen
  • Short-Slide
  • Long-Slide
  • Schaukeln
  • Quergleiten
  • Entlanggleiten
  • Fächern

Bildeinstellung

Zu Bildeinstellung gibt es Bereits einen Blogbeitrag Bildeinstellung auf Radiomegahertz. Hier einige echokardiografische Ergänzungen wie das Einstellen der Sektoren oder der M-Mode.

Sektor des Farbdopplers

Die angegebenen Framerates sind geräte-, hersteller- und einstellungsspezifisch. Ob 15 oder 37Hz – die Zahlen dienen der Demonstration des Einflusses der Farbdopplers ROI.

Sektor des Bildschirmausschnittes (FOV)

Jede TTE-Sonde verfügt über eine festgelegte Anzahl von Piezoelementen. Werden die Strahlen jedes Elements auf einen schmaleren Bereich ausgelenkt, verringert sich die laterale Auflösung. Diese ist nicht nur geringer als die axiale Auflösung, sondern nimmt bei der Konvex- und Sektorsonde mit zunehmender Tiefe sogar noch zu.

Sowohl die Sektorbreite als auch die Position des Sektors im B-Bild können variiert werden. Wenn du dieses Prinzip einmal verstanden hast, wirst du die sinnvollen Anpassungen im B-Mode und im Farbdoppler-Modus nicht mehr missen wollen.

In der nächsten Abbildung wurde das Sichtfeld verschmälert und der Sektor in der linksparasternalen Anlotung auf die Mitralklappen ausgerichtet. Die deutlich höhere Bildwiederholrate von 41 auf 161 Hz kann dabei helfen, die schnellen Klappenbewegungen besser zu beurteilen.

Sektor der Vergösserung (Zoom)

Wenn die Zoom-Funktion des Ultraschallsystems verwendet wird, kann ein definierter Ausschnitt auf voller Bildschirmbreite dargestellt werden. Das kann die Sichtbarkeit verbessern und somit die Beurteilung erleichtern. Die Auflösung, die die Diskriminierungsfähigkeit zweier eng benachbarter Reflektoren beschreibt, ändert sich jedoch nicht. Sie wird durch die Frequenz bestimmt.

Das waren drei Beispiele für die Einstellung und Verwendung unterschiedlicher Sektoren. Alle drei Sektoren – (1) der Bildschirmausschnitt, (2) das Farbdopplerfenster und (3) der Zoom-Bereich – bezeichnen eine Region. Im englischen und deutschsprachigen Raum hat sich die Abkürzung ROI (region of interest) eingebürgert.

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass ich den „B-Mode-Sektor”, der beim Aufrufen des TTE-Presets angezeigt wird, als Bildschirmausschnitt oder auf Englisch als Field of View (FOV) bezeichne, aber nicht als Sektor oder ROI.

Ich trenne den nativen Bildschirmausschnitt sprachlich von den anderen Funktionen. Die ROI kann somit nie größer als die FOV sein. Die FOV ist primär charakteristisch für jeden Sondentyp und kann darüber hinaus modifiziert werden. 😉

M-Mode / "M" wie Motion

M steht für „Motion”. Der M-Modus ist wie der B-Modus ein Impulsechoverfahren und wird gelegentlich auch als TM-Modus (Time-Motion) bezeichnet. Im M-Modus werden die Reflexionen einer einzelnen Scanlinie bzw. eines einzelnen Schallstrahls gegen die Zeit aufgetragen.

Dabei werden die Reflexionen auf der vertikalen y-Achse und die Zeit entlang der horizontalen x-Achse abgebildet. So entsteht ein Zeit-Reflexions-Diagramm. Im Gegensatz dazu werden in einem B-Bild Reflexionen aller Scanlinien zeitgleich dargestellt.

Merke

  • Bei einer statischen Sondenhaltung gilt für den M-Mode: Eine Reflexion wird als weißer Punkt dargestellt, der aufgrund der zeitlich versetzten, horizontalen Aneinanderreihung eine weiße gerade Linie bildet.
  • Nicht exakt horizontal ausgerichtete Linien deuten auf Gewebebewegungen hin.

Besonderheit des M-Modes

Wie bereits erwähnt, bildet der konventionelle M-Modus die zeitliche Bewegung der Reflexionen eines Schallstrahls ab. Durch die Beschränkung auf einen Schallstrahl wird eine extrem hohe zeitliche Auflösung erzielt.

Der M-Mode wird teilweise als „alte” Technologie bezeichnet, da die Bildqualität aktueller Ultraschallsysteme so hoch ist, dass einige Messungen auch im B-Mode durchgeführt werden können. Dennoch hat der M-Modus seinen festen Stellenwert. Er ist in den Empfehlungen für die erforderlichen Messungen einer standardisierten echokardiologischen Untersuchung fest verankert.

Klinische Beispiele für den Einsatz des M-Modus sind in den entsprechenden Beiträgen zu den Anlotungspositionen des Posters aufgeführt.

Anatomischer M-Mode - Achtung technisch kein wirklicher M-Mode

Bei einer Wanddickenmessung muss der Schallstrahl im M-Modus senkrecht auf die schallkopfnahe und die schallkopfferne Wand treffen, damit die Wanddicke anhand der Reflexionen korrekt gemessen werden kann. Die senkrechte Insonation garantiert, dass der kürzeste und somit richtige Abstand gemessen wird.

Während der Schallstrahl im konventionellen M-Modus von der Sektorspitze ausgeht, kann die Achse im anatomischen M-Modus frei variiert werden, um die zu untersuchende Struktur senkrecht zu treffen (siehe nächste Abbildung, Bild A).

Es gibt jedoch einen bedeutenden Unterschied zwischen dem anatomischen und dem konventionellen M-Mode: Der anatomische M-Mode basiert in der Nachverarbeitung auf dem B-Mode. In Bild B der folgenden Abbildung kannst du die schallkopfnahen Reflexionen der Luft einer Sektorsonde ohne Ankopplung im anatomischen M-Mode-Diagramm erkennen. Diese fehlen in Bild A.

Somit ist der anatomische M-Modus messtechnisch sinnvoll, allerdings ist die Auflösung gegenüber dem konventionellen M-Modus bedeutend geringer und funktioniert nach Speicherung der Sequenz.

Zusammenfassung konventioneller und anatomischer M-Mode

  • Beim konventionellen M-Mode werden Reflexionen eines Schallstrahls in Echtzeit abgebildet. Dieser hat eine hohe zeitliche Auflösung, geht jedoch immer von der Sektorspitze aus. Dadurch ist eine senkrechte Insonoierung von Zielen nicht immer möglich.
  • Die Schallstrahlung des anatomischen M-Modus kann hingegen frei positioniert werden, was eine senkrechte Insonation ermöglicht. Dies geschieht allerdings nicht in Echtzeit, sondern erst nach Speicherung der Aufnahme und basiert auf dem B-Bild. Die zeitliche Auflösung ist daher so groß wie die Framerate des B-Bildes.

EKG-Trigger und Speicherung

Gründe für eine EKG-getriggerte Echokardiografie

  • Messung von LV-Dimensionen (LVEDD, LVESD) – Die Messung wird anhand des EKG-Signal in der enddiastolischen und endsystolischen Phase durchgeführt. Eine Messung im B-Mode ist ebenfalls möglich und kann ausreichend sein, aber nicht so exakt wie die Ausrichtung am EKG. 
  • Simpson-Biplan (Bestimmung der EF in der apikalen Anlotung). Die Messung der Wandabstände erfolgt abhängig von Systole und Diastole. Das trifft auch für die weniger präzise EF Bestimmung nach Teicholz zu (parasternal).
  • Doppler Mitralfluss (E-/A-Welle)
    Klare Zuordnung zu Diastole, Vermeidung von Phasenüberlagerung
  • Dopplermessungen des linksventrikulären Ausflusstranktes (LVOT) sind durch eine präzise Zuordnung zur Systole exakt zu bestimmen.
  • Speckle Tracking und Strain-Analyse: hier werden mehrere Achsen parallel während eines Zykluses ausgewertet. Das erfolgt EKG-synchronisiert..
  • Messungen der 3D/4D Echokardiografie basieren auf der Analyse der unterschiedlicher Achsen zum gleichen Zeitpunkt.

Ich bin der Meinung, dass EKG-Trigger-Sequenzen immer dann aufgezeichnet werden sollten, wenn dies möglich ist. Dies ist durch die Aspekte Ausbildung, Vorbereitung und notwendige Beschäftigung mit dem System bedingt (siehe unten). Allerdings merkst du, dass die EKG-Ableitung immer dann ein Standard bzw. unabdingbar ist, wenn es um das Messen und die exakte Zuordnung zu einem Herzzyklus geht.

Ist in der Ausbildungsphase zur TTE das Sonografieren und Aufzeichnen mit EKG-Trigger erforderlich? Kann ich echokardiografische Fragen, die für die Anästhesie relevant sind, nur mithilfe eines EKG-Triggers beantworten?

Die Antwort lautet nein. Siehe auch folgenden Absatz „Gründe gegen eine EKG-Triggerung“.  Hauptsache starten, üben und solide Schnitte produzieren 😉

Woher bekomme ich das EKG-Signal?

Jedes ernsthafte System für die Echokardiografie wird über einen Anschluss für ein EKG-Kabel verfügen. Gelegentlich sind das einfache USB-Stecker, die mithilfe eines Adapters ein 3-poliges EKG-Signal verarbeiten. Im professionellen Umfeld sind auch Systeme mit robusten 6,3-mm-Kliniksteckern vorhanden. Unabhängig davon, welcher Adapter oder Stecker verwendet wird, ist der typische Weg, EKG-Elektroden auf Patient:innen anzubringen (rot-gelb-grün) und das Signal in das System einzuspeisen.

Innerklinisch werden Patient:innen an einen Monitor angeschlossen, der neben den Patientendaten auch weitere Parameter wie den invasiven oder nichtinvasiven Blutdruck, die Sauerstoffsättigung und das neuromuskuläre Monitoring anzeigt. Diese Monitore besitzen auch einen EKG-Ausgang, um das EKG-Signal weiterzuleiten, sodass keine weiteren Elektroden angebracht werden müssen. Angeschlossen werden nicht nur Ultraschallsysteme, sondern auch externe Monitore, Systeme für die Herz-Kreislauf-Unterstützung und anderes.

Aus meiner Sicht ist der einfachste und schnellste Weg für Anästhesist:innen, eine EKG-getriggerte Echokardiografie innerklinisch durchzuführen, das Ultraschallsystem an das bereits vorhandene Monitoring anzuschließen (siehe nächste Abbildung). Dieses Vorgehen vereinfacht und verkürzt die Vorbereitung und Untersuchung, indem weitere Kabel an den Patient:innen vermieden werden.

Gründe gegen eine EKG-getriggerte Echokardiografie

  • Eine Herzzyklus-spezifische Analyse ist schlichtweg nicht erforderlich, weil es es nur um die Beantwortund der Frage nach der globalen Pumpfunktion im Sinne eines Eye-Ballings geht. Oder du möchtest nur wissen, ob ein Perikardeguss besteht oder nicht. 
  • Herzrhythmusstörungen: ein unregelmässiger Puls stört die Speicherung von Sequenzen, es entstehen sog. Stiching-Artefakte (Ruckler während der Schleife). Auch kann durch den unregelmässigen Herzschlag ein nicht-repräsentativer Herzzyklus aufgezeichnet werden.
  • Du sonografierst während einer Punktion (Perikardtamponade) oder möchtest die Wirkung von Medikamenten in Echzeit beobachten ohne speichern zu wollen.
  • Die bleibt in einer kritischen Phase einfach keine Zeit nach dem blöden Kabel zu suchen, du möchtest möglichst schnell deinem FEEL oder RUSH Protokoll folgen.

 

Zusammengefasst, kannst du auf eine EKG-Triggerung verzichten, wenn sie keinen Informationsgewinn für deine Untersuchung bringt, technisch unzuverlässig ist, dir keine Zeit für die Beantwortung einer lebensbedrohlichen kardiologischen Fragestellung bleibt und somit den Untersuchungsablauf behindert. In allen anderen Fällen ist die EKG-getriggerte Echokardiografie der nicht-getriggerten Methode vorzuziehen (siehe auch nächsten Absatz).

Lerntechnischer Grund für eine EKG-Tiggerung

Aus meiner Sicht werden folgende Gründe, EKG-getriggerte Sonografien durchzuführen, unterschätzt:

  • Du lernst, wann du auf den EKG-Trigger verzichten kannst und wann er unabkömmlich ist. Beide Varianten sind klinisch möglich:
    – Darauf zu bestehen oder
    – schnell zu einer Grundaussage zu kommen. 
  • Speicherung und Evaluation der Untersuchung:
    – Du kontrollierst deine die Qualität deiner Untersuchung durch Retrospektion und erkennst die Möglichkeiten zur Verbesserung. 
  • Du lernst dein Ultraschallsystem kennen.
    – Du musst einen Patientennamen oder ID eingeben, um überhaupt dokumentieren zu können.
    – EKG-Triggerung spart Speicherplatz, da nur ein oder ein paar Herzzyklen aufgezeignet werden (Eintstellung am System). 
    – Eine EKG-Triggerung ist spätestens erforderlich, wenn du im kardiochirurgischen OP die transösophageale Echokardiografie durchführen musst. Das Prinzip, das Menü und die Einstellungen des Systems sind dir dann bereits bekannt. Du bist vorbereitet.


Kurzum: Beschäftige dich am besten schon jetzt mit der EKG-getriggerten Echokardiografie, obwohl sich diese Staffel von Radiomegahertz „nur” mit den Grundlagen befasst.

Radiomegahertz Kontakt Tim Mäcken
www.radiomegahertz.de/kontakt

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