Transthorakale Echokardiografie (TTE) für Anästhesist*innen: 7 Schnitte und 1 Poster mit System

Transthorakale Echokardiografie im Operationsbereich

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die transthorakale Echokardiografie (TTE) hat sich in der Anästhesie etabliert. Sie ist besonders im perioperativen Setting wertvoll, einem Bereich, in dem Anästhesist*innen typischerweise viel Zeit verbringen. Doch ihre Wirksamkeit steht und fällt mit der Qualität der Anwendung und der Ausbildung.

Wenn Lehrende nach eigenen Methoden unterrichten, nicht gemeinsam und strukturiert vorgehen, sich ggf. in ihren Aussagen widersprechen, entsteht Verwirrung. Um fundierte Diagnostik, reproduzierbare Befunde und klinisch relevante Entscheidungen zu ermöglichen, ist eine strukturierte, standardisierte Herangehensweise daher unerlässlich. Genau hier setzen wir an: Wir fokussieren uns auf wenige Schnitte, betonen die Entwicklung vom einen zum nächsten Schnitt und fördern so das Verständnis der Sonoanatomie des Herzens und der Sondenmanöver.

Die subxiphoidale (subcostale) Anlotung mit zwei Schnittebenen wird besonders gewichtet, da sich Patient*innen in Narkose, auf der Intensivstation oder im Schockraum regelmäßig in Rückenlage befinden und/oder beatmet werden. Eine Positionierung in die ideale Position für die echokardiografische Untersuchung, die Linksseitenlage, ist eben nicht immer möglich.

Motivation und Ziel des Posters

Ausbildung transthorakale Echokardiografie. Ein Poster mit System und sieben Schnitten. Radiomegahertz

Unsere bisherigen TTE-Ausbildungen fanden meist in kleinen Workshop-Formaten statt. Sie waren motivierend, aber oft wenig nachhaltig. Es fehlte an Struktur, an Einheitlichkeit und an einer konkreten Übertragung in den klinischen Alltag.

Dabei war uns klar: Wenn Lernende und Lehrende mit unterschiedlichen Vorstellungen an die Untersuchung herangehen, kann keine verlässliche Lehre entstehen.

Deshalb haben wir – einige Kollegen und ich – das Poster entwickelt, um eine gemeinsame Grundlage für die transthorakale Echokardiografie in der Anästhesie zu schaffen – klar, fokussiert und praxisnah. Es dient nicht nur der Orientierung im Untersuchungsablauf, sondern auch als visuelle Leitlinie für standardisierte Schnitte, reproduzierbare Bildgebung und eine strukturierte Ausbildung am Patientenbett.

Podcast: Ausbildung TTE im Operationsbereich

Der Podcast wurde transkribiert, sodass du ihn mitlesen kannst, falls du gerade keine Kopfhörer dabei hast oder deine Umgebung keine laute Wiedergabe zulässt. Kapitelmarken zum Springen oder Wiederholen reduzieren die Suche nach einzelnen Passagen. Neu sind außerdem kleine Abbildungen zu den einzelnen Kapiteln.

Poster: 3 Positionen, 7 Schnitte und 1 System

Die verlockend klingende Überschrift könnte den Eindruck vermitteln, dass sich die Echokardiografie mithilfe des Posters einfach und schnell erlernen lässt. Nein, nada, niente, nix, nö, nil und nein. Aber: Es bietet dir einen Startpunkt, eine Systematik und einen Anreiz, zur TTE-Sonde zu greifen, um deine Fähigkeiten auszubauen. Wie das Poster aufgebaut ist und warum, erfährst du in diesem und den kommenden Podcasts und Blogbeiträgen.

Die Echokardiografie aus kardiologischer Sicht ist, wie im Manual der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie beschrieben, bedeutend umfassender. Das Poster ist ein Teil unseres Ansatzes, die transthorakale Echokardiografie zu erlernen und einheitlich zu lehren. Somit ist die kardiologische Notfallsonografie klar gegenüber Ein- oder Zweitageskursen abzugrenzen, da sie eine der höchsten Ausbildungsstufen von kardiologischen Fachärzt*innen darstellt.

Fragen und Antworten zum Poster

Was für ein Unsinn! Ein standardisierter Schnitt ist gut zu lernen, weil er eben so gut standardisiert ist. Anatomie bleibt Anatomie, Ultraschallphysik bleibt Ultraschallphysik und (Patho-)Physiologie bleibt (Patho-)Physiologie – und das ist fachübergreifend so.

Schärfer formuliert: Anästhesist*innen sollten selbst echokardiografisch tätig sein. Sie beschäftigen sich ständig mit der Hämodynamik. Das Herz ist ein essenzieller Bestandteil dieses Systems. Sie sind „vor Ort”, müssen Ursachen behandeln und Lösungen finden, damit die Operation für die Patient*innen am besten durchgeführt werden kann.

Sie kennen die Wirkung negativ inotrop wirkender Substanzen sowie die hämodynamischen Veränderungen bei Stress oder Narkose.

Somit unterscheiden sich Anwender*innen im echokardiografischen Sinne einzig und allein durch ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie – das ist extrem wichtig – in ihrer klinische Expertise. Ohne klinische Erfahrung und ohne die Fähigkeit, pathologische Befunde einzuordnen, ist selbst eine korrekt durchgeführte Echokardiografie nicht zielführend. 

Hinsichtlich der Zertifizierung gibt es zwischen den Fachdisziplinen dennoch Unterschiede, denn die einige Zertifizierungen sind teilweise an das jeweilige Fachgebiet gebunden.

Weder noch. Es gibt beispielsweise suprasternale oder transhepatische Schnitte zum Herzen und seinen Gefäßen. In der apikalen Position werden häufig auch drei statt zwei Schnitte verwendet. Wenn du bereits ein für dich passendes Untersuchungsschema bzw. eine Anleitung hast, dann bleibe dabei. Nochmals: Ein Herz bleibt ein Herz und eine korrekte Anlotung bleibt eine korrekte Anlotung. Egal in welcher Reihenfolge.

  • Die Betonung, immer eine feste Untersuchungsreihenfolge zu verwenden, um das Training zu verbessern und die Untersuchung vollständig durchzuführen.
  • Die Betonung des subxiphoidalen Schnitts in der kurzen Achse als Pendant zur standardisierten parasternalen kurzen  Achse, da dieser für Anästhesist*innen häufig besser zugänglich oder sonografierbar ist.
  • Die Betonung des subxiphoidalen 4-Kammer-Blicks als Pendant zum apikal 4-Kammer-Blick (immer 2 Schnittebenen in der subxiphoidalen Position durchführen).
  • Die Betonung, dass sich Schnitte aus Schnitten entwickeln, verbessert das anatomische Verständnis von Herzachse und -höhlen und trainiert die Sondenmanöver.
  • Ultraschallaufnahmen aus dem TTE-Simulator, um die Motivation für das Selbststudium am Simulator zu erhöhen und damit die Umsetzbarkeit zu trainieren.

Dich und dein Engagement. Du behandelst und sonografierst. Du entwickelst das Sonogramm. Deine Fähigkeiten entscheiden über die Qualität. Dein Training und dein Wissen sind von Bedeutung, das Poster ist „nur” dein Spickzettel und Motivationstrainer.

Position 1: links parasternal

Die Untersuchung beginnt links parasternal mit der langen Achse. Sind in Rückenlage ausreichend gute Schallbedingungen vorhanden, lässt sich dieser Schnitt anhand der Sonoanatomie sehr gut standardisieren. Von hier aus lassen sich alle weiteren Schnitte logisch ableiten: durch Rotation in die links parasternal kurze Achse oder durch visuelles Gleiten in der Herzachse nach apikal in den 3-Kammer-Blick (siehe nächste Abbildung).

Die Standardisierung und die kontrollierten Sondenmanöver sind von zentraler Bedeutung, da sie Abweichungen zwischen den Untersuchenden reduzieren und Befunde vergleichbar machen – auch im Verlauf.

Die korrekte Darstellung des Herzens, die Bildeinstellung und die präzisen Sondenmanöver gehören zu den ersten Aufgaben, die selbst Fortgeschrittenen teilweise durchaus Schwierigkeiten bereiten können.

Position 2: apikal

Position 2 des TTE-Ausbildungsposters zeigt die apikalen Schnitte. Hier wird auf Schnitte reduziert und der 2-Kammer-Blick aus didaktischen und Gründen ausgelassen. Wie in den anderen Positionen, sind auch apikal klare sonoanatomische Gütekriterien vorhanden, die trainiert werden müssen. Weitere Lernziele für die apikale Achse sind z. B. der günstige Dopplerwinkel für Messungen über der Aorten- und Mitralklappe oder die Möglichkeit die Herzspitze zur Detektion von Thromben vollständig einsehen zu können (Unterschied zur links parasternal langen Achse). 

Zur Erinnerung: Die klinischen Fragestellungen, Sondenmanöver und insbesondere die sonoanatomischen Gütekriterien werden in den folgenden Beiträgen separat behandelt.

Position 3: subxiphoidal (subcostal)

In der Anästhesie ist die subxiphoidale (subcostale) Anlotung eine wichtige Position, da sich die meisten Patienten in Rückenlage befinden und beatmet werden. Sie können nicht einfach in die Linksseitenlage zur sonografischen Untersuchung gebracht werden, was Lungenartefakte reduziert. 

Ein Lernziel ist unter anderem, dass durch Rotation der Sonde vom 4-Kammer-Blick in die subxiphoidale kurze Achse gewechselt wird. Diese Darstellung ist insbesondere dann hilfreich, wenn links parasternal aufgrund der Rückenlage kein ausreichend gutes Echogramm erzielt werden kann. Ebenso wird ein Vergleich der langen Achse zwischen dem subxiphoidalen und apikal 4-Kammer-Blick hergestellt.

Rückmeldungen vom Newsletter

Danke für eure Antworten auf den letzten Newsletter. Alle haben anhand der Sonogramme die Rechtsherzbelastung korrekt erkannt. Ein Kollege schrieb zum Beispiel: „Links ist leer, rechts hat’s schwer!” Ein guter Reim zum Merken. Bei dieser Patientin wurde die Inotropie medikamentös erhöht. Die Rechtsherzbelastung hat sich über Jahre durch eine pulmonale Hypertonie entwickelt. Ein akutes Ereignis wie eine Lungenarterienembolie lag nicht vor, aber eure Massnahmen wie CT, Ausweitung der Echokardiografie etc. wären in diesem Fall ebenfalls richtig gewesen.

Wenn dir Lehrinhalte anhand von konkreten Beispielen gut gefallen, teile mir das bitte mit, damit ich weiß, ob sich die Arbeit des Materialerstellens lohnt. Schicke deine Rückmeldung bitte an: <support@radiomegahertz.de>. 

Bilder aus dem Newsletter

Aus meiner Sicht ist das ein einfaches Beispiel dafür, wie schnell die korrekte Therapie mit grundlegenden echokardiografischen Kenntnissen eingeleitet werden kann.

Ausblicke Echokardiografie auf RMHz

Der Fahrplan steht: Das Poster mit seinen drei Positionen und sieben Schnitten wird in den kommenden Podcast– und Blogbeiträgen Schritt für Schritt erläutert. Schon die bewusste Reduktion auf wenige Schnitte bietet enormes Potenzial und eine große Fülle an Material.

In der Echokardiografie ist es Pflicht, nicht bei starren Bildern stehenzubleiben, sondern Sequenzen zu betrachten. Deshalb wird dieses Thema – zumindest auf der Webseitevideolastig aufbereitet. Und genau das finde ich großartig! 😉 Möchtest du über die Entwicklung informiert werden? Ah, da gibt es doch diesen Newsletter bei Radiomegahertz.

Download Poster

Du kannst dir das Poster als PDF in hoher Qualität hier herunterladen (Hinweis: 7,2 MB, geeignet für den Posterdruck).
Du brauchst dafür kein Konto und musst keine persönlichen Angaben machen.

Du darfst das Poster für dich, deine Klinik oder deine Abteilung gerne verwenden. Es steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 (Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung). Wir haben uns bewusst für diesen offenen Weg entschieden, weil uns die Ausbildung sehr wichtig ist und wir den Zugang zu den Inhalten so leicht wie möglich halten möchten.

Es gibt aber andere Möglichkeiten, wie du dich bedanken kannst: Wenn dir das Poster gefällt, würde ich mich freuen, wenn du den Podcast bei Spotify oder Apple Podcasts kommentierst, Verbesserungsvorschläge einreichst oder den Newsletter abonnierst. So hilfst du mit, die Inhalte weiterzuentwickeln und noch mehr Personen zugänglich zu machen. Am meisten würde es mich aber freuen, wenn du einen Ausdruck in deiner Klinik aufhängst und Lernen und Lehren kombinierst.

Ausbildung transthorakale Echokardiografie. Ein Poster mit System und sieben Schnitten. Radiomegahertz

Ausbildungsposter TTE im Operationsbereich

7 Schnitte und 1 System

Für RMHz Hörer*innen

© 2025 Radiomegahertz. Lizenziert unter CC BY-NC-ND 4.0.

Zusammenfassung

  • Die Echokardiografie ist eine komplexe Untersuchungstechnik.
  • Sie ist ein essentielles Tool für Anästhesist*innen zur Beurteilung der Hämodynamik.
  • Das Poster bietet ein System zur systematischen Untersuchung und beinhaltet dabei didaktische Gesichtspunkte.
  • Es wird die Anzahl der Schnittebenen reduziert aber die erforderliche Qualität der Schnitte hervorgehoben.
  • Aus einem Schnitt wird der nächste Schnitt entwickelt, die erforderlichen Sondenmanöver werden betont.
  • In weiteren Podcasts und Blogbeiträge werden die Inhalte des Posters vertieft.
  • Unser Ziel ist eine einheitliche, hochwertige TTE-Lehre für Lernende und Lehrende im perioperativen Setting.

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Referenzen und Links

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